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Per Gesetz vorgeschrieben ist für die Bezeichnung „Freilandhaltung“ eine unbeschränkt zugängliche Auslauf-Fläche von 4m² pro Tier erforderlich. Dies gilt für Stand-Freilandhaltung. Bei Wechselweidewirtschaft, dürfen die Tiere mit 2,5m² Auslauf zurechtkommen, dafür aber auf mindestens 4 Flächen verteilt. Das bedeutet, dass in Freilandhaltung mit Wechselweide dem Tier 2,5m² zum Rumlaufen am Tag zur Verfügung stehen, bei stationärer Freilandhaltung sind’s 4m² am Tag. Bei vier Weideflächen wäre die Wechsel-Freilandhenne jede Woche auf anderen 2,5m², die stationäre Freilandhenne hätte jeden Tag denselben Bereich. Klar soweit?

„Sind die auch Freilandhaltung?“ – „Aber da ist nicht alles kahlgefressen, oder?“ Das sind Äußerungen von meinen Mitmenschen, die, das idyllische Bild von der Henne im Gras vor Augen, sich als Fürsprecher berufen fühlen, ohne Ahnung von der Materie zu haben. Ironischerweise sind es oft dieselben Menschen, die bereitwillig haufenweise Geld für unnötigen Müll ausgeben und bei Nahrungsmitteln sparen wollen.

Ich verachte Mobilställe. Ok, das stimmt nicht ganz: Ich verachte Mobilställe mit hunderten Hennen bestückt. Ok, das stimmt auch nicht. Ich verachte Menschen, die Legehybriden zu hunderten in Mobilställe pferchen, alle 7 Tage im nächsten Abschnitt Grasfläche parken und im gehypten Mobilstall mit Biofutter zufüttern, um den immensen Bedarf gerecht zu werden, den die Hennen nun einmal haben – und sich dann als tolle Helden feiern lassen, obwohl sie zwei Jahre später die Hennen killen zB. für Bio-Hunde-/Katzenfutter (wofür sonst soll das reichen?)! Nur 250m² auf denen sich einhundert auf Hochleistung gezüchtete Hennen tagsüber aufhalten dürfen, nichts als den Mobilstall als Unterschlupf. Kein Staubbad. Kein Sonnenplatz. Manchmal nichts weiter als Legenester, Schlafstangen und Futter/Wasser. Nicht jeder, der Hühner im Mobilstall hält, macht das so, wie ich es gerade beschrieben habe. Doch schon allein die Tatsache, dass so unglaublich viele Tiere um Futter, Wasser und vor allem Platz konkurrieren setzt die Tiere ziemlichen Stress aus. Gras, was fürs Huhn so viel wie für uns Kopfsalat ist, (klar, gesund, aber nicht ausreichend oder essentiell) ist da wirklich das geringste Problem, oder nicht?

Der Bauer mit seinen Zweinutzungshühnern in kleiner Gruppe, der den Hühnern seinen ganzen Hof zur Verfügung stellt, weiß aus Erfahrung, dass die Tiere sich nicht weit vom Stall weg bewegen. Es liegt einfach nicht in der Natur von Hühnern ein großes Revier abzugrasen. Dort, wo sie wohnen, wächst zwangsläufig weniger Gras, aber das stört die Hühner nicht. Finden sie genug Würmer und Saatgut, dann gehen sie nicht weiter weg, als nötig! Das spart Energie und gibt Sicherheit vor Fressfeinden – sein Zuhause kennt man schließlich ziemlich gut! Wenn sie nichts finden, ziehen sie von allein immer ein Stück weiter, bleiben aber trotzdem lieber in Stall-/Nistnähe. Wird noch hinzugefüttert, dann sparen sich Hühner ein bisschen an Futtersuche und beschäftigen sich lieber mit Staub-Baden, Scharren usw. (wozu kein Gras nötig ist btw.) Würmer und Käfer werden trotzdem gejagt – alles das geht ganz ohne Gras und Wiese, teilweise sogar nur ohne Gras (wie das angesprochene Staubbaden, welches für Gesundheit und Wohlbefinden eines Huhnes -im Gegensatz zu Gras- notwendig ist). Gras wird natürlich gern gefressen – damit wir uns nicht falsch verstehen. Aber viel wichtiger als ob die Hühner auf einer malerischen grünen Wiese (oder im Getreidefeld) „grasen“ ist, dass sie an der frischen Luft sind und vor allem viel Tages- also auch UV-Licht bekommen (Stichwort: Vitamin D), sich ausreichend bewegen können und Möglichkeiten zur sozialen Interaktion mit Artgenossen haben. Dass sie sich nicht langweilen und nicht gestresst sind. Sich nicht bedroht fühlen durch zB. Raubvögel, die zB. über die Mobilställe auf großen Weideflächen fliegen, sich sicher fühlen in dem Revier, in dem sie sich befinden. Zusätzlich zu ausreichend Platz auch Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten haben. Sonnenplätze. Staub-Badeplätze. Lieblingsplätze zum Würmersuchen, wie ein Kompost- oder Mist- oder alter Laubhaufen. Ausguck-Plätze, von wo aus man alles Spannende im Revier beobachten kann.

Das Bild der bunten Hühner auf der makellosen Wiese ist eine Illusion. Es hat nichts damit zu tun, wie gut es den Tieren geht. Hühner brauchen kein Gras. Tatsächlich bekommen sie, wenn sie nur mit Gras gefüttert würden, nicht genug von den Nährstoffen, die sie für ihre Gesundheit benötigen. Hühner sind keine Steppentiere. Wenn, dann sind es Waldrandbewohner. Samen, Körner, Würmer, Käfer – alles das finden sie auch im blanken Boden. Wer sich schlecht fühlt, weil die Hühner den Hühnerauslauf „gras-leer“ gefressen haben, hat absolut keinen Grund dazu! Solange die Tiere genug Platz (meiner Meinung nach allerdings mehr als das, was der Gesetzgeber vorschlägt), Beschäftigung, Futter usw. haben, ist es den Hühner scheißegal, ob sie Grashalme zu ihren Samenkörnern und Würmern hatten oder Spinat aus dem eigenen Garten. Ausgewogen und den Tieren angepasst muss die Ernährung sein. Das Stückchen Grün ist nicht das, was ein Freilandhuhn glücklich macht.

Mein Tipp an die Menschen, die von grüner Wiese im Zusammenhang mit Tierwohl und Hühnern reden: Halte selbst die Tiere oder halte die Klappe.

Avatar von Asmus Wieck

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