Eines vorweg: Alles, worüber ich hier schreibe ist lediglich das, was und wie ich es durch meine Recherchen verstanden habe und was ich selbst in ein paar Jahren Erfahrung Aquaristik sammeln konnte. Mir geht es grundsätzlich um das Verständnis eines Prinzips, eines Musters und um Zusammenhänge. Ich bin kein Wissenschaftler.
Unsere Einstellung als Gesellschaft
Letztes Jahr (2023) hatten wir ein Gnadenjahr (Danke El Nina). Es gab nicht zu lang anhaltende Hitze mit Trockenheit und insgesamt genug Niederschlag. Dennoch lässt sich langsam nicht mehr leugnen, dass etwas mit unserem Wetter nicht stimmt, worauf jedoch noch immer zu wenig reagiert wird, meiner persönlichen Meinung nach. „Es ist noch immer gut gegangen.“ -Klar, es kann gut gehen und wenn’s nicht gut geht dann hat man kaum eine Wahl, als damit umzugehen. Ich meine, es wird Winter und es wird Sommer und dann wieder Winter – Menschen sind doch keine Eintagsfliegen, sie haben sich doch früher auch vorbereitet, zB. Vorräte angelegt, Felle für den Winter gegerbt, Löcher im Dach geflickt… Ist es wirklich schlimm, das Loch im Dach zu flicken wenn’s dann doch keinen Regen gibt?
Was die Ozeane mit dem Wassermanagement an Land zu tun haben
Wassermanagement ist unumgänglich, auch in Deutschland. Über längere Zeit ist es nicht unvorstellbar, dass es feuchter bei uns wird. Immerhin fangen unsere Ozeane einen nicht unerheblichen Teil CO2 und Wärme auf und dies bewirkt eine Erwärmung des Wassers zusätzlich zu dessen Versauerung durch Kohlensäure. Damit einher geht die Reduzierung des pH-Wertes, was zur Zersetzung von Kalzium etc. und zum Tod vieler mariner Spezies führt. Durch die Wärme des Treibhauseffektes kommt eine weitere pH-Reduzierung, die durch die Ionisierung von Wasserstoffmolekülen verursacht wird, die bei höheren Temperaturen aktiver werden. Höhere Temperaturen führen zu einer geringeren Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Der Salzgehalt beeinflusst zusammen mit der Temperatur die Dichte des Meerwassers, was wesentlich für die Bildung von Konvektionsströmen ist, die an der Verteilung von Wärme im Ozean beteiligt sind. Das sind schon eine Menge Faktoren, an die sich unser super-sensibles Ökosystem Ozean anpassen soll. Und das ist noch nicht einmal alles. Aus der Aquaristik weiß ich, dass allein schon zu viel Wärme oder ein falscher PH-Wert ein Rezept für Fischsuppe ist… -Und aus toter Biomasse entstehen bei der Zersetzung durch Mikroorganismen Gase und Säuren und natürlich Wärme… Eine Feedback-Schleife! Nun fügen wir noch den langsamer werdenden AMOC hinzu – klingt bedrohlich, oder? Und dann wird obendrein weniger Sonnenenergie reflektiert wenn durch die Erwärmung das Eis weiter schmilzt (Albedo-Effekt). Ehrlich? Noch mehr? Ja. Unser Eis ist mitlerweile durch die von Menschen verursachte Verschmutzung nicht mehr weiß, sondern mit einem schwarzen Belag bedeckt, was den Schmelzvorgang weiter beschleuningt. Und immer mehr Treibhausgase werden in die Atmosphere entlassen während die arktischen Gletscher schmelzen. Beschleunigung überall wohin man sieht – alles bedingt und verstärkt sich gegenseitig. Das bedeutet: Noch weniger Zeit zur Anpassung an eine sowieso schon kaum anpassbare Lebensumgebung. Noch mehr Artensterben. Noch mehr Beschleunigung usw. usw.
Taktwechsel – Wettermaschine vs. konventionelle Landwirtschaft
So oder so, wärmeres Wasser führt jedenfalls über kurz oder lang zu mehr Verdunstung und das wiederum führt im Allgemeinen zu höherer Luftfeuchtigkeit und zu mehr Niederschlägen. Doch dieser Niederschlag wird nicht schön gleichmäßig dann und dort fallen, wenn wir ihn brauchen oder wollen, sondern „wo und wie’s ihm passt“. Wir können das Wetter für nächsten Monat nicht mit absoluter Gewissheit vorhersagen und es wird vermutlich zukünftig nicht dadurch leichter werden, das wir gerade uns unser Wetter-Stabilisierungs-System Ozean verkacken. Das alles dürfte es schwieriger machen, auf Extremsituationen angemessen zu reagieren, wenn man sich nicht auch auf diese vorbereitet. Große Flächen ohne Bäume und Büsche werden mit höheren Temperaturen (ich denke nicht, dass wir auch nur die nächsten 10 Jahre unter +2°C bleiben können), noch anfälliger für Trockenphasen während der Sommer sein. Unsere Jahreszeiten werden eben nicht nur von der Sonne und dem Wind beeinflusst, sondern ganz erheblich sogar von dem, was unseren Planeten besonders macht- den Ozeanen, dem Wasser. Wieso will irgendjemand mit dem, wovon wir leben und uns ernähren, wovon wir abhängig sind und was unser Ursprung ist Poker spielen?
Weiter geht’s mit dem Boden der Tatsachen: Ohne Biomasse im Boden, und damit sind nicht nur Gründünger oder Kompost, sondern insbesondere Pilze und Bakterien, auch die anaeroben in den tieferen Schichten (die übrigens auch CO2 fixieren), gemeint, wird weniger Feuchtigkeit gehalten. Ohne Bäume und Büsche, die Schatten spenden und durch Transpiration die Umgebungsluft kühlen wird die Verdunstung bei höheren Temperaturen ebenfalls größer sein. Staaten und Länder mit ihrer jeweiligen Politik werden zweitrangig, denn dem Wetter und der Natur sind diese ausgedachten Grenzen egal: Wenn sich der thermale Aquator verschiebt, steht weniger Fläche für die Lebensmittelerzeugung zur Verfügung, ganz egal, wie viele Mäuler es zu stopfen gibt. Mit Geld werden Menschen nicht satt und hungrige Lebewesen sind immer und überall schlecht zu kontrollieren – es sei denn vielleicht, sie sind bereits fast tot… Und spätestens wenn klar wird, dass unsere fossilen Brennstoffe nicht mehr als Energielieferant moralisch vertretbar und ausserdem zu teuer sind, wird Wasser zum Feld pumpen als die Unsinnigkeit klar werden, die es ist. Auch Bodenerosion trägt was an fruchtbarem Boden noch verhanden ist noch verstärkt ab, wenn Starkregen-Events und heftige Winde weiter zunehmen. Wir werden also zu viel Wasser und zu wenig Wasser haben und Natur wird sich nicht darum scheren, ob uns das aktuell in den Kram passt oder „ob das schon immer so gemacht wurde“. Wer sich nicht damit auseinandersetzen will wird zwangsläufig die Konsequenzen tragen. Nämlich Starkregen und Überschwemmungen, Hagel und andere Unwetter die Ernten und Infrastruktur vernichten, intensivere Sonnenstrahlung und wochenlange gleißende Temperaturen, die für sämtliche Lebewesen kaum erträglich sind… All das könnte mit etwas geschickter Planung der Infrastruktur und sinnvollem Wassermanagement definitiv besser gelöst werden. Ich könnte diesen Absatz extrem ausleuchten und ausarbeiten, doch dies hier ist ein Blog-Post und ich denke, ich bin bereits nerdig genug um den Großteil der potentiellen Leser zu Tode zu langweilen… Und ausserdem geht es hier ja schließlich um Wassermanagement!
Was kann man tun?
Schwerkraft ist gratis. Topografie ist ebenfalls praktisch, denn wenn man sich am Land orientiert, kann man sich ein individuelles Wassermanagement basteln, das vom Wetter betrieben wird und die unterirdischen Wasserspeicher, wie zB. Aquifier in niederschlagsreichen Phasen auffüllt und woraus Pflanzen und Pilze sich in Trockenphasen selbst bedienen können. Keyline-Design wäre ein guter Anfang. Am Besten über die eigenen Grundstücksgrenzen hinaus, mit anderen Landbesitzern und den Gemeinden einer Region gemeinsam. Bäume und Büsche pflanzen die den Lebewesen Schatten und Windschutz spenden und den Boden festhalten anstatt von Wasser- & Nährstoffkonkurrenz zu reden, ohne sich mit der Thematik wirklich auseinanderzusetzen und weiterhin die Komplexität des Zusammenspiels von Organismen innerhalb eines Ökosystems (sowie Physik und Chemie) zu ignorieren. Die Biomasse im Boden erhöhen. Die Biomasse über dem Boden erhöhen. Fungizide, Pestizide und Herbizide und so einen Unsinn gar nicht erst in das eigene System bringen. – Überhaupt, „Umwelt“ die Welt als System verstehen, das nicht bei einem selbst oder den eigenen Grenzen endet und uns selbst mit einschließt. Das bedeutet auch, sich nicht blind auf globale oder auch nur innerländliche Strukturen zu verlassen, sondern wieder unabhängiger zu werden. Wenn Impfungen, Wurmkuren, Dünger und steriles Saatgut nicht mehr zur Verfügung stehen wird es schwer werden konventionelle Landwirtschaft zu betreiben…
Absolut nichts ist falsch daran, sich vorzubereiten. Nichts ist falsch daran, vorsichtig zu sein. Vorsichtig sein ist nicht feige sondern clever. Vorsorge und Vorbereitung macht man in „fetten Jahren“. Die Natur kennt keine Deadline. In der Natur gibt es nur ein „zu spät“…
