Es war einmal ein Land, das hatte großes Glück, denn es war reich an allem, was seine Bewohner zum Leben brauchten. Die Menschen dieses Landes lebten über unzählige Generationen glücklich, satt und friedlich bis eines Tages eine unerwartet lange Dürre kam. Doch auch diese verging also erholten sich die Menschen und lebten weiter ihr Leben, bis wiederum eine lange Dürre kam. Diesmal forderte sie allerdings mehr Opfer und führte dazu, dass die Menschen, sobald sie sich wieder gefasst hatten, künstliche Bewässerungsanlagen bauten und Vorräte anlegten. Wiederum vergingen viele Generationen und die Menschen lebten zufrieden, bis erneut eine noch schwerere Dürre kam, als alle zuvor. Nun hatten die Menschen Vorräte und während dies einige Verluste abfing, war es doch noch eine verheerende Epoche, die viele Opfer forderte. Ein Klimawandels fand statt, doch die Menschen wussten das damals natürlich nicht.
Die Rationen aus dem gemeinsamen Kornspeicher mussten nun effizienter rationiert werden und um dies zu kontrollieren wurde eine Person dafür eingeteilt. Und als die Zeiten immer noch schwieriger wurden und die Menschen immer noch unzufriedener behielt der jeweilige Aufpasser des Kornspeichers bald im Geheimen etwas Korn für sich selbst und seine Familie zurück und korrumpierte somit das vormals gerechte Verteilungssystem. Von da war es kein weiter Schritt mehr, seinen „Freunden“ etwas mehr Korn zukommen zu lassen als dem Rest, wenn sie ihm im Gegenzug zB. dafür sagten, was für ein wertvoller und tüchtiger Mensch er doch sei und dass es nur fair wäre, wenn „seine Leute“ mehr Korn hätten, damit „die richtigen Leute“ stark blieben und überleben könnten. Dies war der zweite Schritt, wie Mensch sich selbst korrupierte, denn die Wahrheit sagten diese Menschen nicht, sie redeten dem Verwalter nur zu, was dieser hören wollte, sodass sie an das Korn kamen, gesünder und stärker wurden und besser überleben konnten. Der dritter Schritt war vielleicht ein kleiner geheimer Tausch als Zeichen der Anerkennung und des Respekts?
Die Menschen, die sich an die Regeln hielten, wurden schwächer und kränker. Sie konnten bald nicht mehr so lange in der heißen Sonne arbeiten wie diejenigen, die der Verwalter bevorzugt hatte. Und nun gab es Debatten darüber, dass sie auch nur so viel Korn erhalten sollten, wie sie erarbeitet hätten, schließlich wäre das nur fair. Doch das System war bereits korrumpiert…
Tausende Jahre lebte Mensch in diesem System weiter. Ein paar wenige hatten einen ungerechten Vorteil erhalten und konnten sich den „feineren Dingen“ widmen. Sie konnten zB. im besten Fall „forschen und entwickeln“, oder auch nur sich wichtig tun und als große Anführer und Eroberer in Kunst und Geschichte darstellen, da Sklaven und Frauen und viele andere brave Menschen, die sich noch immer an Werte wie Wahrheit, Fairness und Ehre hielten, alle Arbeit verrichteten. Der Gewinner schreibt die Geschichte, wie sie ihn im besten Licht erscheinen lässt… Tausende Jahre lebte Mensch nun also in einem System, indem wenige Bevorteilte, Priviligierte, mittlerweile in fester Überzeugung, dass ihnen all diese Privilegien selbstverständlich naturgegeben/durch Gottes Gnaden zustehen, vielen fleißigen und braven Menschen die Fähigkeit zum Führen, zum Denken, zum Entscheiden, absprachen und Ihnen Aberglaube / Glaube und andere manipulative, zB. politische, Gedankenkonstrukte mit viel Augenwischerei und Übertreibungen so jung als möglich vorsetzten, sodass diese brav und blind „in der Spur bleiben“. Damit diese weiter den Wohlstand der Priviligierten sicherstellten, ohne lästige Fragen zu stellen. Das System in Frage zu stellen. Ein Leben nach dem Tod oder eine Hölle zB. sind echt ‚bad ass‘ Manipulationsgeschichten, um Ablass-Gelder zu kassieren und arme Schuftende bis zum leidvollen Lebensende auszubeuten.
Und dann kam die Zeit, als die Menschen unruhig wurden. Es gab nämlich mehr Fortschritte, die nun nicht mehr zu übersehen waren. Die einfachen Menschen wollten auch etwas davon haben. Sie hatten schließlich dafür gearbeitet. Bald gab es Kriege. Und noch mehr Kriege. Politische Systeme purzelten, aber die Priviligierten hatten eine coole moderne Karotte vor den Wagen gespannt, den der Rest der Menschen zog: „Streng dich nur an, dann kannst du ab jetzt einer von uns werden!“ – Und die Menschen glaubten – schon wieder – daran, was die Nachkommen der einstigen Betrüger, Personen, die mit ihrer gepflegten äußeren Erscheinung und ihren ausgewählten Worten Eindruck machten, ihnen einredeten. Propaganda. Medien. Das System war noch immer korrumpiert, die Ungleichheit zwischen den Vielen, die sich abmühten und den Wenigen, die sich kaum rühren mussten, um ihr Auskommen zu haben, war mittlerweile enorm. Die Priviligierten wussten genau, dass kaum einer es in ihre Höhen schaffen würde. Die paar Wenigen, denen es gelingt, fachen die Motivation der zahllosen Profit-Sklaven weiter an: Win-win für die priviligierte Elite! Ob der einfache Pöbel politisch wählt macht keinen Unterschied mehr, wenn einem die Politik gehört, man sie erfunden und so eingerichtet hat, dass sie die eigenen Interessen wahrt. Aber nun passierte Folgendes: Lügen, Betrügen, Übervorteilen, Ausbeuten und Ausnutzen – das war mittlerweile für alle Menschen normaler Bestandteil des Lebens. Überall log Werbung ihnen etwas vor und suggerierte, dass das völlig okay, oft sogar nötig ist. Ein klein wenig übertreiben oder eine Winzigkeit hinzudichten oder einfach „die Dinge in das richtige Licht rücken“ – das ist doch nur, sich von der besten Seite zu zeigen, das macht doch jeder! Und in manipulierten Studien lügen Menschen nun zum Schluss auch über die wahre Natur des Menschen, behaupten dieser wäre von Natur aus geizig, mißgünstig, gierig, unehrlich, unzuverlässig, unberechenbar – ein Betrüger und Lump, der alles und jeden benutzt und missbraucht, nur um wie ein gehässiger Gollum, ein skrupelloser Mörder, sich an Habhaftigkeit einer nutzlosen, glitzernden Bedeutungslosigkeit zu erfreuen. Mit diesem Freibrief darf nun jeder alles tun und muss also keine Verantwortung mehr übernehmen. Bravo! Wissenschaft! Wir hauen uns selbst in die Pfanne und sind auch noch stolz darauf.
Und so haben wir uns durch die gesamte Zivilisation manipuliert, gelogen und betrogen. All der Schickschnack, all die schicken Klamotten, teuren Autos und das Rumgesülze gegenüber anderen Blendern, die großen Häuser, die man gar nicht wirklich bewohnen kann, dieser ganze Unfug soll jetzt die Karotte sein, der junge Menschen nachjagen sollen. Das ist das Bild des Erfolgs, das wir unseren Kindern vermitteln. Das ist, was wir unseren Kindern nahebringen, was erfolgreiche Vorbilder sind. Status, Reichtum und Erfolg sieht so aus wie Kardashian. „Man muss es nur wollen“ ist der Spruch, der das über Leichen gehen legitimiert. Und weil wir ja offenbar alle von Geburt an Lügner, Betrüger und manipulative Narzissten sind, wollen wir, dass unser Nachwuchs uns darin noch überbietet. Denn Fortschritt, Reichtum, Status, Macht definieren wir so, dass die Welt/das Andere immer kaputter wird während die gebratenen Täubchen von selbst ins Maul flattern…
Geben und Nehmen. Von einer Seite auf die Andere. Irgendwer bezahlt. Immer. Es ist nicht mehr da, als da ist, egal, wie man in seinen Gedanken damit herumspielt.
Wir Menschen selbst zeichnen ein erbärmliches wissenschaftliches Bild von uns selbst und in Opposition dazu ein grandioses in sämtlichen Medien. Wenn wir unsere Fähigkeit, Geschichten zu erzählen um Wissen zu vermitteln, dazu benutzen, uns zu belügen und zu manipulieren, dann sind wir bald obsolet. Wenn wir uns lieber Lügenmärchen anhören anstatt uns der harten, aber immerhin verlässlichen Wahrheit zu stellen, dann sind wir bald ausgestorben (Und meiner Meinung nach einer grandiosen Gelegenheit zur Entwicklung beraubt.). Wenn wir blind und völlig vertrauensselig priviligierten Personen unsere Führung überlassen, anstatt die Zügel selbst zu übernehmen, dann sind wir bald nicht mehr Teil dieser Welt. Wir dürfen nicht einfach glauben. Wir müssen überprüfen. Allem voran uns selbst. Wir müssen versuchen ein besserer Mensch zu werden, als der, der wir von uns glauben zu sein. Von Homo Sapiens zu Homo Consideratus, sozusagen. Sich selbst prüfen und dankbar das Prüfen durch Andere, das Feedback und die Kritik annehmen und auch selbst aufrichtige Kritik üben. Nicht manipulieren, schleimen, einschüchtern, Drama und Krawall produzieren, sondern Mut zur Authentizität, zur Unsicherheit, zur „Schwäche“ haben. Das Gegenüber ernst nehmen und ihm volle Verantwortung aber auch völlige Beurteilungs- und Entscheidungsfähigkeit zugestehen. Niemand hat behauptet, es wäre leicht, ein Mensch zu sein. Wir sind jedoch die Verantwortlichen für diesen Planeten. Wird Zeit, erwachsen zu werden – oder auszusterben.
