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Ich habe Hebridean-Schafe zur Bewirtschaftung des Bodens. Sie versorgen das Land mit Dünger, halten junge Brombeeren und Baumsämlinge und auch Blattbewuchs zurück, da meine Schafe eine Affinität zum „Browsen“, also zum Äsen habe. Sie lieben übrigens Moose und Flechten, vermutlich steckt das schon so in den Genen meiner von den kargen, rauhen Inseln Schottlands stammenden Vielhorn-Schönheiten. Jeden Tag gehen sie morgens hinaus und jeden Abend gehen sie zurück in den Stall. Und jeden vierten, spätestens jeden fünften Tag, abhängig von den Temperaturen, stehen sie auf einer neuen kleinen Koppel. Genau berechnet pro Kopf und Tag. Nun, zumindest theoretisch, denn in der Praxis wächst jede Koppel unterschiedlich auf und schwankt halt eben in dem, was sie den Schafen anbieten kann. Also wird nachjustiert.

Würmer (und auch Fliegen) – so ganz allgemein – haben einen Entwicklungszyklus, der nach etwa 4-5 Tagen einen kritischen Punkt erreicht, nämlich die Abwanderung der fettgefressenen Larven vom Kot. Etwa 25-30cm weit wandern die Biester, ohne zu fressen übrigens, nur um darauf zu warten, dass ein Schaf (oder ein anderer passender Wirt) vorbeikommt und den Grashalm abfrisst, auf dem sie es sich erstmal gemütlich gemacht haben. Dabei klettern sie an den Halmen empor, manchmal bis zu einer Höhe von 15cm, sehr selten jedoch höher. Also achte ich darauf, dass meine Tier zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr auf der Koppel sind und zusätzlich darauf, dass das Gras hoch genug ist. Ich habe mir meine Gummistiefel bei 15cm markiert, damit ich das auf einen Blick sehe.

Aber ich warte auch bis das Land und der Boden sich ausreichend erholt hat, nämlich 56-62 Tage, bevor ich meine Lieblinge wieder auf den selben Platz lasse. Der Boden muss bedeckt sein -egal, was ist. Das habe ich am Aushub des Grabens feststellen können… Jede Art von Bewuchs ist besser, als gar keine Pflanzen. Diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen. Und nur, wenn die Pflanzen eine gewisse Höhe haben, können sie Wasser binden, Boden festhalten, sodass er nicht wegweht und sind vor starker Sonneneinstrahlung geschützt. – Ein No-Brainer eigentlich… Wieso mähen die Leute ihren Rasen gleich noch so kurz, stellt sich mir da die Frage?

Zu guter Letzt noch die Pest Patrol: Hühner. Wer mal Tiere auf der Weide beobachtet hat, dem ist bestimmt aufgefallen, dass sich da immer Vögel rumtreiben. Das war schon immer so und ist auch überall auf der Welt so. Die Herden ziehen über die Lande, die Vögel sammeln ab, was sie hinterlassen, bzw. das, was sich von dem ernährt, was die Herden hinterlassen: Allerlei nützliches Krabbelgetier ist da dabei, das bei der Bodenbearbeitung hilft. wie zB. den Mistkäfer, der durch das Anlegen von unterirdischen Tunneln, die zu Kammern führen, in denen er den Dung für seine Nachkommen lagert, den Dünger (aha – daher kommt das Wort 😉) in den Boden einarbeitet und ihn gleichzeitig belüftet. Wer braucht gleich nochmal Traktoren wofür? Aber die Hühner sammeln eben mit Vorliebe die Fliegenlarven und Wurmlarven ab und ebenso Samen. Natur produziert immer verschwenderischste Überschüsse, denn so funktioniert Evolution. Was am Besten für die vorherrschenden Bedingungen passt, setzt sich durch. Dazu braucht es reichlich Überfluss. Wie Menschen also so gierig sein können, wo es doch von allem genug gibt, ist der absurdeste Blödsinn überhaupt. Und als I-Tüpfelchen sorgen wir dann letzten Endes noch dafür, dass es tatsächlich bald nicht mehr genug gibt – nur, weil wir übersatt sind und trotzdem den Schlund nicht voll genug bekommen.

Zurück zu den Hühnern. Sie unterbrechen den Zyklus, den die Wurmlarve nur im Schaf vollenden kann, indem sie sie einfach auffressen. Hah! Gratis Protein bedeutet auch weniger Futterkosten. Es macht also Sinn, sogar wirtschaftlich, Schafe und Hühner gemeinsam grasen zu lassen, oder die Hühner kurz nach den Schafen auf die Koppel zu lassen, wenn der Mistkäfer so um den 3-4 Tag mit seiner Arbeit fertig ist – je nachdem, ob die Belüftung des Bodens noch etwas ist, das man auf dem Zettel hat. Übrigens: Wer leicht verrottenden Mulch (Hobelspäne, Stroh etc.), besser noch mit Dung, auf verdichteten Boden auslegt, der zieht bei Feuchtigkeit Regenwürmer an, die den Boden beackern. Auch an den Stellen, wo kein Pflug mehr hinkommt – so einfach geht Bodenbelüftung. Observierende natürliche Landbewirtschaftung spart einen Traktor, einen Pflug/Belüfter und Körperkraft. Mir kommt das mit meiner beidseitigen Hüftdysplasie absolut gelegen! Kopf einsetzen statt „das haben wir immer so gemacht!“ – Nope, haben wir nicht, ihr habt nur vergessen, dass wir das mal anders gekonnt haben – länger, als wir Pflüge und erst recht Traktoren haben!

Nachtrag:

Eine Sache habe ich noch vergessen zu erwähnen, bezüglich meines Weidemanagements: Ich lasse die Tiere zuerst die unteren Koppeln, dann die höher gelegenen Koppeln beweiden, da Regenwasser die Larven logischerweise von oben nach unten mit sich tragen würde.

Avatar von Asmus Wieck

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