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Biohaltung, Freilandhaltung, Bio-Freilandhaltung aus Mobilstallhaltung – aktuell ist das voll der Kracher. Es suggeriert dem Endverbraucher gesündere Hühner und gesündere Eier und überhaupt alles besser. Was steckt eigentlich wirklich dahinter? Wieviel davon ist Wissenschaft und was davon ist Hype?

Die Hühner düngen das Gras und versorgen sich selbst. Das ist das, was man immer so hört oder liest. Fakt ist, dass Hühner kein Gras brauchen und auch nicht ausreichend versorgt werden können, wenn sie ausschließlich von Grasboden (bzw. dem was darin ist) leben sollen. Deshalb sind auch trotzdem Futterstellen und Tränken für die Tiere in den Mobilställen vorhanden. Und wer ein Problem in unseren Breiten mit zu wenig Dünger im Boden hat, bei dem stimmt mehr nicht, als dass etwas Hühnerkacke das fixen kann.

Dass es Hühnern nicht nur gut geht sondern es für ihr Wohlbefinden unumgänglich ist, dass die Vögel Luft und Sonne und Erde täglich zur Verfügung haben, dass dürfte daraus erkenntlich werden, wo Hühnervögel ursprünglich herkommen (Bankivahuhn -> Südostasien, Waldgebiete mit Vorliebe für Waldränder und halboffenes Gelände!). Wer seine Vögel beobachtet, wird das aber auch selbst herausfinden. Sie versuchen weite freie Flächen zu meiden und halten sich in der Nähe von Büschen und Bäumen auf, also dort, wo eben kein Gras wächst. Am liebsten baden meine Hennen zB. am Fuße der Hollunderbüsche! Und das brauchen sie gegen Parasiten. Bietet man den Vögeln tatsächlich viel Fläche, dann ist auch Parasitenmangement kein Problem, zumindest dann nicht, wenn man Belüftung und Feuchtigkeitsregulierung im Stall nicht als Option sondern als tatsächlich essentiell betrachtet und umsetzt. Früh raus, spät rein und ein trockener gut belüfteter Stall, der groß genug für die Tiere ist – no Problem at all!

Aber zurück zum Mobilstall. Jetzt ist es nicht so, als wären Mobilställe superschlecht oder so. Sie sind nur meiner Meinung nach die Mühe nicht wert. Die Kosten für den Bau oder die Anschaffung, die Tatsache, dass man ständig die Tiere umstellt, das Wasser und Futter auffrischt und auffüllt usw. – alles das wenn es doch den Hühnern (oder Eiern) keinen Vorteil bringt? Wieso sollte man das tun? – Weil es gerade ein Konsumtrend ist. Weil man Geld damit machen kann, warum sonst.

Was ich hier auf der Sieghexe mache ist, den Hühnern richtig viel Fläche zum Futtersuchen zu bieten (und mehr Büsche und Bäume zu pflanzen, also eine abwechslungsreicheres Land zu schaffen) . Auf diese Weise verringere ich meine Kosten und verbessere das Wohlbefinden der Vögel. Viel Aufwand ist das nicht. Tatsächlich kostet es weniger Geld und Arbeitszeit und Ressourcen und sorgt für gesündere Hühner und Eier. Man muss nicht jeden Trend mitmachen. Aber wer Trends mitmacht ohne sie zu hinterfragen (wo sind die Zahlen? Fakten? Studien?) und dafür noch viel Geld ausgibt, dem kann man nicht helfen. Wenn die Wahl nur zwischen Massentierhaltung in Bio-Freilandhaltung aus Mobilstallhaltung und Massentierhaltung in Batteriehaltung oder 5 Hühner im kleinen Garten mit konventionellem Futter stattfindet, dann ist der Mobilstall die bessere Lösung, klar. Aber ich selbst gehe keine faulen Kompromisse ein, da ich nicht abhängig vom Markt bin. Ich verdiene mein Geld mit Computerarbeit. Die Hühner sind die Selbstversorger mit eigenem Business. Als Dankeschön für meine Dienste als Land-Wirt bekomme ich all die Eier, die ich nicht verkaufen möchte, weil sie Makel haben. Und ich weiß genau, was drin ist und wie gut sie für meinen kaputten Körper sind. That’s it.

Avatar von Asmus Wieck

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