Physik. Chemie. Biologie.
Wasser fließt nach unten. Wärme steigt nach oben. Lehm hält Feuchtigkeit. Sand ist wasserdurchlässig. Am Nachmittag sind die Auswirkungen der Sonneneinstrahlung stärker. Die Ausrichtung der Pflanzenreihen wirken sich also auf die Pflanzen aus. Der Wind von Osten ist der potentiell verheerendste. Ein Hang ist eine Steilvorlage von Mutter Natur! (Ganz besonders ein Osthang oder Süd-Ost-Hang) Im Umkreis von Walnussbäumen will nicht viel wachsen. Unerwünschte Gift-Pflanzen schneidet man zur Blüte weg. Wo Maulwürfe sind, sind auch Regenwürmer ist auch lebendiger Boden. Katzen und Marder mögen keine starken Gerüche, aber dafür kleine Vögel umso mehr. Ratten können sich durch Blech beißen. Der beste Schutz gegen den Wolf (oder Fuchs) ist persönliche Anwesenheit und ein stabiler Stall. Eine innige Verbindung zu einzelnen Tieren vollbringt wahre Wunder, wenn sie einmal krank werden oder verletzt sind, denn das Vertrauen in einen Freund kann Kräfte mobilisieren, die man selbst nicht für sich hätte finden können. Natur testet immer jeden Schwachpunkt im System, sodass du ihn beseitigen musst. Mit Kabelbinder, Gewebeband und Plane lässt sich alles irgendwie fixen (Ausser bei Menschen – da fehlt dann halt noch eine Schaufel^^). Du brauchst nicht perfekt sein, es muss nur reichen, seinen Job tun. Seinen Zweck erfüllen.
Keiner kann dir das Erfahren abnehmen. Gute Theorie ist, wenn es in der Praxis aufgeht. Keinen Plan zu haben ist Ressourcenverschwendung. Nichts ist falsch daran, sich gründlich zu informieren. Zuviel nachzudenken ist wie zu viel Geld haben… Bullshit! Man denkt nie zu viel nach – man handelt zu wenig. Man hat nie zu viel Geld – man will nur nichts weggeben. Vögel beobachten ist wichtig – sie wissen, wie’s Wetter wird und sehen Eindringlinge und potentielle Gefahren als Erste. Du weißt nicht, was für Schätze und verborgenen Kräfte in einem noch so unscheinbaren Ding stecken! Achte auf Kleinigkeiten, auf Muster und Gemeinsamkeiten, versuche den Rhythmus zu finden und die Melodie, die in jeder Sache steckt – alles ist letztendlich Musik, ist Mathematik. Du kannst mit dem System arbeiten, im Rhythmus bleiben. Vertraue auf deine Instinkte – sie sind in deiner DNS, in jeder Zelle deines Körpers. Der erfolgreiche Überlebenswille all derer, die vor dir waren, in jedem Teil deines Körpers. Instinkt ist mehr als angeeignetes Wissen aus der Schule – es ist eine Fähigkeit, die trainiert werden will, oder verkümmert und herausgezüchtet wird durch eine sich selbst verkümmernde Gesellschaft.
Es sind Schritte nach vorn, mit altem Wissen. Einen Graben zu ziehen, um Wasser zu leiten. Ein Reservoir anzulegen. Barrieren als Schutz vor den Elementen zu nutzen. Den Wind zu nutzen. Beobachten, Verstehen, Umsetzen – wir haben schon immer genutzt, was um uns ist. Das haben Menschen schon immer so gemacht. Nichts daran ist fancy oder neu. Begriffe, wie zb. „Permakultur“ lenken nur ab von der Tatsache, dass es all das schon vorher gab. Niemand kann claimen, dass er der Erfinder der regenerativen Landwirtschaft ist – es gibt nur Großschwätzer, die altes Wissen als neu verkaufen wollen. Schon in der Eisenzeit haben Menschen Schafe gehalten, Hühner gehalten, Felder bestellt, Bewässerungssysteme und Schutzanlagen gehabt. Nichts davon ist neu. Es braucht keine teuren neumodischen Gerätschaften, um Landwirtschaft zu betreiben. Man muss keinen schweren Traktor haben, um Bauer zu sein. Umtriebsweide, Waldweide und Mehrfelderwirtschaft haben die Menschen auch schon vor Ewigkeiten betrieben. Energiewald – hatten die Menschen früher schon, denn sie waren nicht dumm! Sie haben Nahrung konserviert ohne künstliche Chemie. Sie haben Kleidung für jedes Wetter gehabt und sogar in den eisigsten Regionen nicht nur bar überlebt, sondern es sich gemütlich gemacht – BADASS!
Nicht alles muss ich jetzt wie zur Eisenzeit machen – ich bin kein Idealist, Utopist oder Verfechter von Wasauchimmer. Aber ich habe einen Nachteil im Leben, der hier auf dem Land für mich zum Vorteil wird: Ich war während meiner Kindheit mir selbst in der Natur überlassen. Heute hat das einen Sinn. Die vielen Stunden im Regen, Wind, Schnee und der Sommerhitze, der Hunger, der zu Beeren, Nüssen und Pilzen (und geklauten Äpfeln aus Pfarrer’s Garten..) führte – die emotionale Bindung zu Tieren, aber auch das Nachdenken über das, was ich in der Schule gelernt und in Büchern gelesen habe – das alles hat mich geformt, wo Andere Eltern und Freunde hatten. Diese Prägung hat meine Instinkte trainiert. Ich bin eine Niete im Umgang mit Menschen, ich sehe nicht, wie ich das noch ändern könnte. Aber hier draussen bin ich Teil des Systems und erfülle meinen Zweck. Altes Wissen. Tief verwurzelt in jeder Faser meines Seins – und fort, wenn ich nicht mehr bin. Ich kann nur hoffen, dass ich meine Sache gut mache, solange ich da bin und dieses Stückchen Erdboden für alle, die darauf und davon leben, so stabil und verlässlich, wie nur möglich zu gestalten. Denn das ist, was ein Freund tut.
