Blabla Sonderangebot, hier herabgesetzte Lebensmittel – oh lieber die Marke kaufen – ist dasselbe nur billiger. Ja sag mal goat’s noch!?! Sparen und Kapitalismus das passt so wenig zusammen wie Elon Musk und Knäckebrot!
Früher, also als Kind, dachte ich ja, das kein Mensch auf der Welt so blöd sein könnte, diese dummen Werbe-Slogan, die im Fernsehen liefen, zu glauben: „Weißer als weiß“ zB. oder „längerer Genuß“ und so ein Schiet. Mit blödem Grinsen im Gesicht wurden da mit dramatischer Tonfarbe einfachste Lügen erzählt – das kann doch einfach keiner Ernst nehmen, oder? Ja und dann waren da noch diese Aktionspreise und Sonderangebots-Aufkleber. Die Angst, was zu verpassen, schlägt zu – man kauft irgendeinen Mist, den man gar nicht wollte, wer weiß, wann es wieder so günstig ist? Ich brauch halt was zum Essen, also kauf ich mal billige Nudeln, dann hab‘ ich mehr Geld für Kippen übrig – super Plan für Leute, die ihr Leben nicht unnötig verlängern wollen. Leiden soll man nicht verlängern. -Ich tu‘ mir aber heute mal was Gutes und ess Obst – ach, dann doch lieber die große Packung für weniger Geld pro Kg. Das sollte sich ja eigentlich rechnen, aber die Hälfte davon ist matschig, schimmelig oder schmeckt irgendwie komisch… – Aber es war halt das Billigste, das zu finden ging. Das man dann mindestens die Hälfte davon wegwirft, war ja nicht absehbar, oder doch? Oder man isst es trotzdem und hat danach erstmal keinen Appetit mehr auf Obst… Das künstliche Zeug schmeckt heute eh besser, ist auch besser verpackt und muss ja auch gut zu essen sein, oder nicht? Wurst, also zB. Leberkäse – kann man ja schon nicht viel falsch machen, ist halt Wurst,oder? Also Fleisch und Gewürze? Geschmacksverstärker, Maisstärke, Zucker, Farbstoffe – sowas braucht man um Wurst zu machen, oder nicht? -Na gut. Wie isses denn mit den fertigen oder vorverarbeiten Sachen sonst so? Ohje, die Liste an Zutaten ist so klein – und so lang – aber irgendjemand hat ja wohl gemeint, dass es völlig safe zum Essen ist… Auch langfristig… Oder?… Also kann ich ja ruhig mal Preise vergleichen und das Billigste nehmen, denn es ist doch das Gleiche. Warum soll ich mehr zahlen, als ich muss?
Die Dinge haben heute ihren Wert verloren. Wir leben in einem kaputten System, in dem Fake-Dinge einen Fake-Wert bekommen und mit echten Dingen konkurrieren, die keinen echten Wert mehr haben. Irgendein Idiot, der sich als Künstler fühlt, beschließt, dass seine bekloppte kaputte Jacke mit drei Aufnähern 5867,- Euro kostet. Da panscht ein B-oder C-Promi, der null Ahnung von Arbeit hat ein Parfüm zusammen und sagt mal einfach: „Ich brauch das und das und das in meinem Leben, sonst bin ich ein unglückliches Schneeflöckchen, -ach und ich will ja auch noch ’nen Tesla (der ist ja mit Strom und deshalb voll cool und man sieht ja auch sofort, dass man nicht zum gemeinen Pöbel gehört – Versager….), der muss da auch mit rein- also verlange ich mal 554,- $ für 50ml“ – – – Alter ich krieg zuviel! So funktioniert das nicht!
Jede Sache hat ihren Wert und dieser ist auch nachvollziehbar: Welche Zeit, Energie und allgemeinen Kosten kommen zusammen. Ja, es gibt ein paar Schwankungen: ein Ei ist nicht immer gleich groß, mal hatte das Huhn einen gestressten Tag, mal sind ein paar Körnchen weggeweht – wasauchimmer – aber im Grunde, haben die Dinge einen recht gut nachvollziehbaren Wert. Im Handel mit Anderen erst, wird dann ein Gewinn aufgeschlagen, den man sich erhofft – und dann handelt man (deswegen heißt das eigentlich auch Handel…), bis beide einen Preis (nicht Wert!) gefunden haben, den sie aus jeweils persönlicher Sicht für angemesssen erachten. Der Wert hat sich nicht geändert. Erst, wenn der Käufer danach selbst zum Verkäufer wird, ist der Wert höher, weil er ja zuvor einen Preis bezahlt hat. Und so geht das weiter. So wäre das System gesund.
Aber heute passiert das eher anders herum: Der Preis wird vorgegeben und die Produzenten müssen Wege finden, so zu produzieren, dass sie nicht unter Wert, verkaufen und nach Möglichkeit noch einen Gewinn machen. Früher haben deshalb Bäcker zB. Gips ins Mehl gemischt. Heute füllt man überall Zucker, Mais, Soja usw. rein, denn das ist billig und schmeckt und macht fett/faul/satt/vorrübergehend satt genug. Oder noch weniger gesunde Dinge, wie Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und Aromastoffe – am Ende nichts Anderes, als der Bäcker während der viktorianischen Zeit machte – Gips ist doch ein super Farbstoff und Konservierungsmittel, oder?
Ich meine, jedem, wie er es möchte, aber ich will selbst entscheiden, ob ich Gips essen will. Ich möchte gern eine echte Gurke essen, ohne irgendwas drin oder drum. Ich will dafür kein Fake-Bio-Siegel bezahlen und dann eine Schimmel-Gurke bekommen, ich will auch nicht, dass die zigmal weiterverkauft wird, ich will auch nicht mehr kaufen, als ich kaufen will – also verbrauchen kann, ich will nicht, dass die Gurke so billig produziert wird, dass der Boden durch die intensive Landwirtschaft mit schwerem Gerät und endloser Monokultur so leer ist, dass die Gurke kaum noch die Nährstoffe hat (woher denn nehmen, wenn im Boden nix ist?). Ich will doch nur eine verdammte Gurke kaufen! Und zwar zu dem, was sie wert ist plus einem angemessenen Gewinn für die Person, die mir das Teil so hoffentlich auch in Zukunft zu der Qualität liefern kann!
Was wir vermeintlich sparen, zahlen wir doch bloß irgendwo anders mehr. zB. mit der eigenen Gesundheit oder Lebenserwartung. Unter Wert kann niemand produzieren – das geht ganz einfach nicht!-, also muss getrickst werden – das ist doch Selbstverarsche! Es ist so anstrengend geworden, Qualität zu finden – egal in welchem Bereich. Also muss ich mir die Gurke selbst schnitzen. Und dann kann ich auch gleich dafür sorgen, dass da mehr Gurke drin ist, als in der Bio-Monokultur. Und dann kann ich auch gleich versuchen, die an die lokalen Bedingungen anzupassen und Resistenzen entwickeln lassen, sodass das Ganze auch noch auf hoffentlich sehr sehr lange Sicht funktioniert.
Wert ist nicht verhandelbar. Nur Preise sind verhandelbar.
